Orientalismi
Orientalismi bezeichnet in der deutschen Sprach- und Wissenschaftsdiskussion die Vielzahl von Diskursen, Darstellungen und Wissensordnungen über das Orient—the Nahen Osten, Teile Süd- und Ostasiens—that westliche Perspektiven prägen. In der historischen Praxis des 18. bis 20. Jahrhunderts ging mit der europäischen Kolonialherrschaft eine systematische Wissensproduktion einher, die sich in Philologie, Literaturwissenschaft, Anthropologie, Theologie, Kunstgeschichte sowie Museumspraktiken niederschlug. Der Begriff wurde vor allem durch Edward Said in seinem 1978 erschienenen Werk Orientalism bekannt, in dem er zeigt, wie westliches Wissen über den Osten zugleich Macht ausübt: Der Orient wird konstruiert als exotisch, irrational, stabil und anders als der modern-liberale Westen, wodurch politische Herrschaft und kulturelle Überlegenheit legitimiert werden.
Zwischen diesen Vorstellungen wirken diskursive Mechanismen: Kategorisierungen, Generalisierungen, nostalgische Repräsentationen und die Annahme eines universalen West-Ost-Unterschieds.
Kritisch diskutiert werden Saids Thesen mit Blick auf historische Spezifik, lokale Wissensproduktionen und Diversität der Orient-Bezüge.